Wenn-Dann Plan – Mit Ausführungsplänen automatische Stereotype verhindern

Konkrete Ausführungspläne (Wenn-Dann Pläne) helfen die automatische Stereotypaktivierung zu kontrollieren und stereotype Verhaltensweisen zu ändern.

 

Automatische Stereotype können – unbemerkt – in vielen Situationen zu diskriminierenden und suboptimalen Entscheidungen führen. Doch es gibt zahlreiche Wege, um den Einfluss von Stereotypen auf unser Verhalten zu reduzieren. Die Methoden der Individuation, Counterstereotype Imaging, Perspektivenübernahme und die Kontakttheorie wurden bereits vorgestellt.

Eine weitere Methode zur Verringerung automatischer Stereotype stammt aus dem Feld der Motivationspsychologie und empfiehlt die Bildung und Verinnerlichung von Wenn-Dann Plänen.

 

Wenn-Dann Plan: Einfach aber effektiv

Wer bereits versucht hat sich z.B. häufiger sportlich zu betätigen, oder mit dem Rauchen aufzuhören, wird wohl erkannt haben, dass die bloße Motivation meist nicht ausreicht, um eine längerfristige Gewohnheitsveränderung zu erreichen.

Wenn-Dann Pläne unterstützen uns auf dem Weg ein solches Ziel zu erreichen. Hierbei werden Situationen, welche für die Zielerreichung relevant sind, antizipiert (Wenn-Teil) und mit einer gewünschten Reaktion verbunden (Dann-Teil). Im Falle von automatischen Stereotypen könnte ein solcher Wenn-Dann Plan wie folgt lauten: „Wenn ich die Eignung eines Bewerbers oder einer Bewerberin beurteilen muss, ignoriere ich das Geschlecht!“

Gollwitzer, Sheeran, Michalski und Seifert (2009) legten Informatikstudent*innen Anforderungsprofil und Bewerbungsunterlagen für eine Stelle als Informatiker*in vor. Die Bewerbungsunterlagen wurden in einer Vorstudie, in der sämtlichen fiktiven Bewerbern ein männlicher Vorname gegeben wurde, als gleich geeignet für die Stelle eingeschätzt. Für die Hauptstudie wurden die Bewerbungsunterlagen nach Zufallsprinzip mit männlichen oder weiblichen Vornamen versehen. Tatsächlich gelang es nur jener Gruppe, die den obigen Wenn-Dann Plan gefasst hatte, den Bias zur Bevorzugung männlicher Vornamen zu überwinden.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen Mendoza et. al (2010) in einer Studie, die den Shooter Task, ein Test der Vorurteile bezüglich der Hautfarbe erhebt, verwendete. Hier zeigten Proband*innen, die den Wenn-Dann Plan: „If I see a person, I will ignore his/her race“ gefasst hatten, weniger stereotypisierendes Verhalten.

 

Was macht einen guten Wenn-Dann Plan aus?

Um einen effektiven Wenn-Dann Plan zu generieren, sollte die im Wenn-Teil formulierte Situation möglichst spezifisch und klar erkennbar sein. Hinsichtlich des Dann-Teils spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Reaktion mit niedrigem Abstraktionsgrad (Drücken einer Taste) oder um eine komplexeren Reaktion (Ignorieren automatischer Stereotype) handelt. Zu beachten ist, dass die gewünschte Reaktion vollständig unter Ihrer Kontrolle liegen muss.

Wenn-Dann Pläne bieten den großen Vorteil, dass die gefassten Reaktionen automatisch erfolgen. Somit haben Faktoren wie Stress oder Ermüdung wenig Einfluss darauf, ob die gewünschte Reaktion erfolgt. Aufschreiben, Aussprechen oder dreimaliges mentales Wiederholen des Wenn-Dann Plans verankern den Plan in Ihrem Unterbewussten und fördern somit dessen automatische Aktivierung.

 

Praxistipp

Bevor Sie z.B. das nächste Mal ein Einstellungsgespräch führen, empfiehlt es sich also einen auf automatische Stereotype zugeschnittenen Wenn-Dann Plan zu fassen. Dieser könnte sich auch mit der Methode der Individuation kombinieren lassen und wie folgt lauten: „Wenn ich ein Einstellungsgespräch führe, dann werde ich die Person als Individuum, unabhängig ihres Geschlechts, ihrer Ethnie und Herkunft betrachten“.

Der so gefasste Plan sollte dann entweder aufgeschrieben, ausgesprochen oder mindestens dreimal mental wiederholt werden.

 

 

Quellen und Weiterführendes:

  • Birgmeier, B., ed. (2009). Coachingwissen: denn sie wissen nicht, was sie tun? (1. Aufl). Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwissenschaften, 207-225.
  • Equality Challenge Unit. (2013). Unconscious bias and higher education.
  • Gollwitzer, P. M., Sheeran, P., Michalski, V., & Seifert, A. E. (2009). When Intentions Go Public: Does Social Reality Widen the Intention-Behavior Gap? Psychological Science, 20(5), 612–618.
  • Mendoza, S. A., Gollwitzer, P. M., & Amodio, D. M. (2010). Reducing the Expression of Implicit Stereotypes: Reflexive Control Through Implementation Intentions. Personality and Social Psychology Bulletin, 36(4), 512–523.
  • Wasel, W., & Gollwitzer, P. (1997). Willentliche Kontrolle der “automatischen” Stereotypaktivierung: die Rolle subliminaler vs. supraliminaler Stimulusdarbietung. Sprache und Kognition, 16, 3/4, S. 198-210.