Survivorship Bias: Verzerrung zugunsten der Überlebenden

von | 21. 07. 2016

„Hinter jedem erfolgreichen Schriftsteller verbergen sich 100 andere,
deren Bücher sich nicht verkaufen.

Wir aber hören nur von den Erfolgreichen und verkennen,
wie unwahrscheinlich schriftstellerischer Erfolg ist.“

Rolf Dobelli, Bestellerautor

 

Desurvivorship_biasr Survivorship Bias oder auch Survival Bias, ist eine Verzerrung zugunsten von sogenannten Überlebenden. Die Historie dazu geht bis zum zweiten Weltkrieg zurück, in dem englische Ingenieure die Überlebensrate ihrer Kampfflugzeugpiloten erhöhen wollten. Sie schlugen vor, jene Bereiche, die vermehrt Einschusslöcher aufwiesen, mit zusätzlichen Panzerplatten auszustatten. Es fiel jedoch rasch auf, dass keine Besserung eintrat und die Zahl der abgeschossenen Flugzeuge nicht reduziert wurde. Erst ein ungarischer Mathematiker, Abraham Wald, kam auf die Idee, die Flugzeuge doch eher dort zu verbessern, wo bei den Zurückgekehrten keine Einschusslöcher sichtbar waren. Denn offensichtlich waren das jene Stellen, wo Treffer einen Absturz auslösten und somit die Rückkehr der Anderen unmöglich machten.

Ein weiteres Beispiel ist ein erfolgreicher Film-Schauspieler: Das Bankkonto erfreut sich über 6-stellige Gagen, man ist beliebt, berühmt und sehr begehrt. Aber wie vielen Schauspielern oder Schauspielerinnen ist solch ein Erfolg gegönnt? Einem Bruchteil im Vergleich zu der Zahl an jenen, die am Weg dorthin scheitern! Dasselbe gilt für UnternehmerInnen, CEOs, Start-ups usw. Hunderte scheitern am Weg zum Erfolg und werden ausgeblendet.

 

Aussichten auf Erfolg werden systematisch überschätzt

Der Grund dafür ist eine kognitive Verzerrung, der Suvivorship Bias. Dieser bedeutet, dass wir Aussichten auf Erfolg systematisch überschätzen, weil Erfolge größere Sichtbarkeit erzeugen als Misserfolge.

Die Definition „Survivorship Bias“ findet sich auch im Finanzlexikon. Fondsgesellschaften liquidieren erfolglose Investmentfonds nach einer bestimmten Zeit. Dies führt dazu, dass die kollektive Performance der Gruppe der aktiv gemanagten Fonds als Ganzes besser ausgewiesen wird als in Wirklichkeit gerechtfertigt, da die weniger erfolgreichen Fonds in der Berechnung nicht berücksichtigt sind.

 

Was können Sie gegen den Survivorship Bias tun?

Sehen Sie nicht nur den Gewinner – hinterfragen Sie und betrachten das gesamte Umfeld: Wie viele Menschen und Projekte sind am Weg dorthin bereits gescheitert? Warum hat es bei ihnen nicht geklappt? Übersehen Sie nicht die „Verlierer“, sondern nehmen Sie diese bewusst für Ihre Entscheidungen wahr.

 

 

Weiterführendes:

  • Rolf Dobelli (2011): Die Kunst des klaren Denkens. 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen. Carl Hanser Verlag: München
  • Edwin J. Elton, Martin J. Gruber and Christopher R. Blake (1996): Survivorship Bias and Mutual Fund Performance. In: Review of Financial Studies. 9, Nr. 4, 1996, S. 1097–1120.
  • Abraham Wald (1936) Über einige Gleichungssysteme der Mathematischen Ökonomie. In: Zeitschrift für Nationalökonomie, Bd. 7, S. 637-670.

 

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