Warum Rechtshänder Bewerber*innen links liegen lassen

von | 15. 02. 2015

Unbewusst geben Rechtshänder jenen Stellenbewerber*innen den Vorzug, die sich auf der rechten Seite befinden. Bei Linkshänder ist das umgekehrt.

 

Unbewusst verknüpfen Rechtshänder positive Eigenschaften mit der rechten Raumseite und negative mit der linken Raumseite. Diese Assoziationen bestätigt eine Studie von Daniel Casasanto vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen, Niederlande, und Evangelia Chrysikou von der Universität Pennsylvania.

„In der Sprache sind positive Vorstellungen oft mit der rechten räumlichen Seite und negative Vorstellungen mit der linken Seite verknüpft“, erklärt Daniel Casasanto in einem Artikel des Max-Planck-Institut. Als Beispiele nennt er das englische Wort „right“, das gemeinsam für rechts und richtig steht. Im Deutschen gibt es die Redewendung „jemanden links liegen lassen“. Im Unbewussten sind räumliche Seite und Positiv-/Negativbewertungen ebenfalls miteinander assoziiert, aber nicht immer in derselben Weise wie in der Sprache: Für Rechtshänder ist rechts gut, aber für Linkshänder ist links gut.

In den Experimenten der Psychologen Casasanto und Chrysikou wurden die Teilnehmer*innen danach gefragt, welches von zwei Produkten sie kaufen würden, welchem von zwei StellenbewerberInnen sie den Vorzug geben würden oder welche von zwei fremdartigen Alien-Kreaturen intelligenter aussieht. Rechtshänder tendierten dazu, das Produkt, die Person oder die Kreatur auf der rechten Seite zu wählen, während sich die meisten Linkshänder für das Angebot auf der linken Seite entschieden.

 

Konzept über Gut und Böse

Warum denken Rechts- und Linkshänder unterschiedlich? Casasanto schlug die Erklärung vor, dass die Konzepte der Menschen über Gut und Schlecht zum Teil davon abhängen, wie sie ihre Hände benutzen. „Menschen können mit ihrer dominierenden Hand flüssiger agieren und assoziieren dann positive Dinge unbewusst mit ihrer fließenden Körperseite.“

Diese Assoziation lässt sich allerdings leicht verändern, wie die Studie zeigte. Bei den Experimenten wurde u.a. bei natürlichen Rechtshändern durch Tragen einen Schihandschuhs eine Beeinträchtigung der rechten Hand simuliert. Selbst wenn die linke Hand nur wenige Minuten lang flüssiger bewegt wird als die rechte, können sich die Urteile eines Rechtshänders über „Gut“ und „Böse“ umkehren, d. h. wird die linke Seite für die „richtige Seite” gehalten. Konzepte über Gut und Böse ändern sich also, wenn sich die Körpererfahrung verändert.

 

Formbarer Verstand

„Die Menschen sind im Allgemeinen der Ansicht, ihre Urteile seien rational und ihre Konzepte stabil”, so Casasanto. „Aber schon nach wenigen Minuten mit einem Handschuh an der Hand kann die übliche Vorstellung eines Menschen darüber, was gut und was schlecht ist, auf den Kopf gestellt werden. Vielleicht ist der Verstand wesentlich formbarer, als wir dachten.“

 

Weiterführendes:

  • Originalartikel der Max Planck Gesellschaft auf http://www.mpg.de/1214479/Gut_und_Boese
  • Casasanto, D; Chrysikou, E (2011): When Left Is “Right”. Motor Fluency Shapes Abstract Concepts. Psychological Science April 2011 vol. 22 no. 4 419-422

 

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