Sympathisch, aber inkompetent – Unconscious Bias und Behinderung

Unconscious Bias tragen maßgeblich dazu bei, dass Menschen mit Behinderung weniger Leistung zugetraut werden. Fünf Tipps, damit das Thema Behinderungen in Ihrem Unternehmen positiver wahrgenommen wird.

 

Erkenntnisse aus der Kognitionspsychologie und der Verhaltensökonomie zeigen, dass die soziale Gruppe von Menschen mit Behinderung eher als “warm” (=sympathisch), aber “inkompetent” wahrgenommen wird. Das damit verbundene Gefühl ist Mitleid und die daraus resultierende Handlung ist daher häufig helfen zu wollen (Fiske & Cuddy et al, 2007).

Unconscious Bias tragen maßgeblich dazu bei, dass Menschen mit Behinderung weniger Leistung zugetraut wird und sie daher schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt haben als Menschen ohne Behinderung. Wie sehr diese unbewussten Vorurteile ausgeprägt sind hängt mit der Art der Behinderung, der Organisationskultur und vor allem mit der persönlichen Erfahrung der Person zusammen, wie die Grafik von myAbility Social Enterprise zeigt:

 

Grafik mit 3 Haupt-Einflussfaktoren

Drei Haupt-Einflussfaktoren: 1) Art der Behinderung 2) persönliche Erfahrung 3) Corporate Culture

 

Anti-Bias-Strategien für mehr Inklusion

Durch den laufenden Sozialisierungsprozess hat jede/r von uns individuelle Biases, die sehr unterschiedlich sein können. Dieses Faktum ist nicht abänderbar, aber wir können aktiv daran arbeiten, dass sich diese Biases im Laufe der Zeit ändern und vor allem auch daran, dass Sie unsere Entscheidungen nicht negativ beeinflussen.

Damit wir objektivere Entscheidungen (z.B. im Recruiting) treffen können, ist es daher wichtig seine eigenen Biases zu kennen und zu analysieren. Darüber hinaus möchten wir Ihnen 5 konkrete Tipps geben, damit das Thema Behinderung in Ihrem Unternehmen zukünftig positiver wahrgenommen wird:

  • Tipp 1: Schaffen Sie persönliche Berührungspunkte
    Nichts ändert unsere Sichtweisen so stark, wie unsere persönliche Erfahrung. Schaffen Sie daher bewusst Situationen, um mit Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen in persönlichen Kontakt zu treten. Nutzen Sie zum Beispiel DisAbility Awareness Trainings und vernetzen Sie aktiv MitarbeiterInnen mit und ohne Behinderungen.
  • Tipp 2: Praktizieren Sie DisAbility Mainstreaming
    Niemand möchte sich benachteiligt fühlen. Sorgen Sie daher dafür, dass bei Ihren Inklusions- und Barrierefreiheitsmaßnahmen auch der Mehrwert für die gesamte Belegschaft sichtbar wird. Teilen Sie zum Beispiel Ihre standardisierten Interviewleitfäden und machen Sie auf die erhöhte Usability von barrierefreien Webseiten aufmerksam.
  • Tipp 3: Zeigen Sie das Commitment von Führungskräften
    Führungskräfte sind Vorbilder in Unternehmen. Fordern Sie daher ein klares Bekenntnis von Führungskräften für mehr Diversität und Inklusion ein und machen Sie die Realisierung messbar. Lassen Sie zum Beispiel Chartas und Statements auf höchster Ebene unterzeichnen und verankern Sie inklusives Verhalten als Kennzahl in der Leistungsbeurteilung.
  • Tipp 4: Setzen Sie Impulse
    Sichtbarkeit erhöht das Bewusstsein. Geben Sie Behinderung mehr Sichtbarkeit und suchen Sie bewusst nach Kontrastereotype und Erfolgsgeschichten. Veranstalten Sie Bias-Awareness-Trainings und zeigen Sie neben der Leistung von Menschen mit Behinderungen (Role Models) vor allem auch das Potenzial auf.
  • Tipp 5: Implementieren Sie Behavioural Design
    Prozesse geben die Richtung vor. Entwickeln Sie Entscheidungsarchitekturen in denen automatisch inklusivere Entscheidungen getroffen werden und ändern Sie standardisierte Verfahren. Fokussieren Sie sich zum Beispiel auf Kompetenzmodelle im Personalwesen und machen Sie Gebrauch vom Mehr-Augen-Prinzip und anonymisierten Teilprozessen.

 

Webinar – Unconscious Bias und Behinderung

Am 13. Mai 2020 nahmen 350 Interessierte aus Österreich, Deutschland und der Schweiz am Webinar Unconscious Bias und Behinderung von myAbility Social Enterprise in Kooperation mit factor-D Diversity Consulting teil. Das einstündige Webinar (untertitelt) können Sie hier nachsehen –> Webinar Unconscious Bias und Behinderung.

 

Weiterführendes

  • Fiske S, Cuddy A, Glick P (2007) Universal dimensions of social cognition: warmth and competence. Trends in Cognitive Sciences. 11 (2): 77–83. doi:10.1016/j.tics.2006.11.005. PMID 17188552
  • Meyer B, Asbrock F (2018): Disabled or Cyborg? How Bionics Affect Stereotypes Toward People With Physical Disabilities

 

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