Denkfehler! Wie Unconscious Bias entstehen

Denkfehler – Die Neurowissenschaft zeigt, wie Unconscious Bias unsere Entscheidungen beeinflussen – und dass wir unserem Gehirn nicht immer vertrauen sollten.

 

Aktuelle Forschungen zeigen, dass unbewusste Vorurteile weniger mit psychologischen Zwängen zu tun haben, sondern ein biologischer Prozess sind (vgl. Kahnemann 2011). Unser Gehirn ist äußerst effizient – und um Ressourcen zu schonen, nutzt es gewisse Muster. Es filtert wesentliche Merkmale aus einer Wahrnehmung und vergleicht es mit bereits Gespeicherten und Erlernten. Der Rest wird nicht bearbeitet. Aus diesem Prozess resultiert aber auch seine Fehleranfälligkeit.

 

Zwei Denksysteme

Der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann (2011) beschreibt unser Gehirn in zwei Denksystemen:

  •  System 1 – das Unbewusste – agiert intuitiv, instinktiv, schnell und ohne willentliche Steuerung. Es ist der Autopilot, der uns durch die komplexe Umwelt führt – und es greift überwiegend auf gespeicherte Erfahrungen zurück. Mehr als 90% unserer Wahrnehmungs- und Denkprozesse laufen unbewusst durch System 1 ab. Beispiele sind: Wir reagieren als Autofahrer unmittelbar, wenn ein Kind auf die Straße läuft oder wir hören rasch die Unfreundlichkeit aus einer Stimme heraus.
  •  System 2 – das Bewusste – ist das langsame und logische Denken. Wir benutzen das bewusste Denken z.B. wenn wir eine Kopfrechnung durchführen, die Aufmerksamkeit auf ein Gespräch richten oder in der Menge nach einer Person Ausschau halten.Bewusstes Denken ist anstrengend – daher benutzen wir vorzugsweise System 1.

 

Unsere Erfahrungen – die Quelle für Unconscious Biases

Ein neugeborenes Baby ist bereits mit einem kompletten Set an funktionstüchtigen Gehirnneuronen ausgestattet. Mit jeder Wahrnehmung speichert dieses neue Informationen – und die damit verbundenen Assoziationen und Emotionen. Im Laufe der Jahre entwickelt sich so unsere Identität, die immer individuell und von mehreren Faktoren beeinflusst ist, wie z.B. von der jeweiligen Kultur, in der wir leben und arbeiten, wie wir sozialisiert werden und welche persönlichen Erlebnisse wir hatten.

Unser Gehirn ist ein ausgezeichneter Detektor für Muster (vgl. Habermacher et al 2014). Wenn wir das Wort Frankreich lesen, denken wir an gewisse Assoziationen, die wir damit gebildet haben. Das kann Paris sein, die Cote d‘ Azur, der Champagner, die Hochzeitsreise oder auch ein negatives Erlebnis, wie ein Autounfall in der Kindheit. Entsprechend unserer Erfahrungen und den damit verknüpften Assoziationen und Emotionen werden unsere unbewussten Denkprozesse (System 1) geprägt – und letztlich unser Verhalten beeinflusst.

In der Regel ist der automatische Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozess richtig, doch manchmal kann er auch fehlerhaft oder entgegen unserer bewussten Überzeugungen und Werte ablaufen. So wird unser Unbewusstes eher für Menschen aus unserem Kulturkreis präferieren als für andere, weil es mit diesen bereits Erfahrungen gemacht hat – ob wir das wollen oder nicht. In diesen Fällen sprechen wir von kognitiven Wahrnehmungsverzerrungen oder Unconscious Biases.

 

Biases sind tief in unserem Gehirn verankert

Wir alle haben unsere „Blinden Flecken“, unabhängig von Geschlecht, Bildung, sozialem Status oder sonstigen Merkmalen. Es wird uns daher selten gelingen, vollkommen vorurteilsfrei und rational zu entscheiden. Diese Unconscious Biases sind biologische Pfade, die tief in in unserem Gehirn gespeichert sind (vgl. Habermacher et al 2014). Sie werden durch unser Leben und unsere Erfahrungen geebnet. Sobald wir einen Unconscious Bias verankert haben, fallen wir immer wieder in dieses Muster zurück, wodurch dieser Denkfehler immer weiter verstärkt wird. >> Bias-Effekte

Biases treten nicht nur auf der persönlichen Ebene auf, sie können sich auch in Teams, in Organisationskulturen und in ganzen Gesellschaften manifestieren, wie z.B. als implizite Normen, als Karriere-Barrieren, als Rollenbilder und in Machtstrukturen. So sind institutionalisierte Biases in der Form von festen Rollenerwartungen an Männer und Frauen einer der wichtigsten Gründe für die Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen.

Um Unconscious Biases effektiv zu begegnen, müssen wir beginnen, unsere Wahrnehmungen zu hinterfragen und unsere Erfahrungen neu zu bewerten. Es gibt Situationen, wie z.B. Stress, in denen Biases wiederholt auftreten. Diese Situationen gilt es aufzuspüren. Mit diesem Wissen können wir Methoden entwickeln, um Biases im privaten als auch beruflichen Umfeld zu reduzieren – und so bessere Entscheidungen treffen zu können.
>> 5 Schritte gegen Biases

 

Weiterführendes:

  • Kahnemann, Daniel (2011): Schnelles Denken, Langsames Denken. Siedler Verlag: München
  • Habermacher, Andreas; Peters, Theo; Ghadiri, Argang (2014): Das Gehirn, Entscheidungen und Unconscious Bias. In: Vielfalt erkennen – Strategien für einen sensiblen Umgang mit unbewussten Vorurteilen. Charta der Vielfalt e.V.: Berlin

 


 

Unsere ExpertInnen halten regelmäßig Vorträge zu Anti-Bias
und wissen worauf es ankommt.

Nehmen Sie Kontakt auf:

Manfred Wondrak, MBA
Tel: +43 1 581 19 09

>> Kontaktformular