Arme Eltern, schlechte Chancen! Soziale Herkunft entscheidet über Karrieren

Studien zeigen, dass Hinweise auf die soziale Herkunft die Chancen auf ein Jobinterview maßgeblich beeinflussen können. Diese wird oft bereits anhand von Merkmalen im Gesichtsausdruck erkannt.

 

Jeder von uns wird in eine bestimmte sozioökonomische Klasse hineingeboren, hier lernen wir klassenspezifische Verhaltensweisen und Werte und haben Zugang zu bestimmten finanziellen, sozialen und kulturellen Ressourcen, die den weiteren Lebensweg maßgeblich beeinflussen.

 

Hinweise auf soziale Herkunft beeinflussen die Chancen auf Jobinterviews

Die Auswirkungen der sozialen Herkunft im Berufsleben wurden hauptsächlich im Hinblick auf Ausbildungschancen untersucht und es zeigte sich, dass es für Menschen aus Schichten mit niedrigem formalen Bildungsniveau schwieriger ist eine höhere Ausbildung zu erlangen.

Selbst wenn diese Hürde gemeistert und eine höhere Ausbildung erfolgreich abgeschlossen wurde, bleiben gewisse Nachteile für Menschen, die ursprünglich aus niedrigeren sozialen Schichten stammen, im Berufsleben erhalten. So bekamen fiktive Bewerber_innen in Paris, die in Bezirken mit schlechtem Ruf wohnten, weniger Einladungen zu Bewerbungsgesprächen als jene, die in „besseren“ Bezirken wohnten (L’Horty, 2012).

In den USA schickten Rivera und Tilcsik (2016) fiktive Bewerbungen an hochrangige Anwaltskanzleien und variierten dabei bestimmte Angaben die Klassenzugehörigkeit signalisierten, während Ausbildungsniveau und Berufserfahrung konstant gehalten wurden. Zu den klassenspezifischen Merkmalen gehörten hauptsächlich Freizeitaktivitäten wie Sport (z.B. Polo vs. Leichtathletik), Kulturkonsum (z.B. klassische Musik vs. Country) und Freiwilligenarbeit (Tutor für Erstsemestrige vs. Tutor für Studenten aus Arbeiterfamilien). Auch hier zeigte sich eine deutlich höhere Quote von Einladungen zu Bewerbungsgesprächen für Männer, die aus einer höheren sozialen Schicht stammten.

Eine Bevorzugung von Frauen aus höheren Schichten konnte hingegen nicht nachgewiesen werden. In den Folgeinterviews mit den für das Recruiting zuständigen Mitarbeiter_innen der Anwaltskanzleien wurde angegeben, dass Frauen aus höheren Schichten für weniger bereit gehalten wurden, sich der Firma im Falle einer Schwangerschaft weiterhin zu verpflichten. Diese Annahme geschah obwohl keine Angaben zu Beziehungsstatus oder Familie in den Bewerbungen eingeschlossen wurden und hob den positiven Effekt der sozialen Herkunft wieder auf.

 

Studie: Soziale Herkunft ist ins Gesicht geschrieben

Würde es nun genügen Angabe wie Wohnort und Freizeitaktivitäten aus Bewerbungsverfahren auszuschließen, um Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft entgegenzuwirken?

Eine 2017 durchgeführte Studie (Bjornsdottir & Rule, 2017) legt den Schluss nahe, dass dies nicht ausreichen würde: Hier wurden Probanden aufgefordert die soziale Herkunft von Personen anhand von Fotos einzuschätzen. Die Probanden konnten anhand von Portraitfotos mit neutralem Gesichtsausdruck überzufällig genau bestimmen, welcher sozialen Klasse die betreffende Person angehört.

 

Fehlende „Cultural Fitness“ als Rechtfertigungsgrund

Oft wird die Bevorzugung von sozial Höhergestellten mit dem Argument der „cultural fitness“ gerechtfertigt. Bewerber_innen aus höheren Schichten passen demnach besser in das bestehende Team und zu der angesprochenen Klientel von z.B. hochrangigen Anwaltskanzleien.

Jedoch fußt diese Annahme auf Stereotype, die wir über Menschen bestimmter Schichten bilden und welche im Einzelfall aber oft nicht der Wahrheit entsprechen. So werden Menschen aus höheren Schichten z.B. als selbstständiger, kompetenter, kultivierter und kälter im Umgang mit anderen Menschen, während Menschen aus niedrigeren Schichten als kollektivistischer, weniger kompetent aber wärmer im persönlichen Umgang wahrgenommen.

 

Wie Sie Diskriminierung bei der Personalfindung vermeiden können, lesen Sie in unserer Serie Personalfindung ohne Vorurteile.

 

Weiterführendes:

  • Bjornsdottir, R. T., & Rule, N. O. (2017). The visibility of social class from facial cues. Journal of Personality and Social Psychology, 113(4), 530–546.
  • L’Horty, Y., Duguet, E., Parquet, L., Petit, P., & Sari F. (2012). Place-of-residence effects on access to employment: a discrimination test among skilled youth. Economie et Statistique, 447.
  • Rivera, L. A. & Tilcsik, A. (2016) Class Advantage, Commitment Penalty: The Gendered Effect of Social Class Signals in an Elite Labor Market. American Sociological Review, 81(6),1097 – 1131.

 


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