Judicial Biases Teil 2 – So reduzieren Sie Judicial Biases

Wie im ersten Teil dieser Serie dargestellt, bietet der Gerichtsprozess kognitiven Verzerrungen eine große Angriffsfläche. Dadurch kommt es immer wieder zu Diskriminierungen von Mitgliedern von stereotypisierten Gruppen.

Im Teil 2 zeigen wir Ihnen, welche Möglichkeiten es gibt, Biases bei Gerichtsverfahren, die sogenannten Judicial Biases, zu reduzieren.

 

So reduzieren Sie Judicial Biases  

Die American Bar Association (ABA) ist die Interessensvertretung der Anwälte_innen, Richter_innen und Studierenden der Rechtswissenschaften in den USA. Um den Einfluss impliziter Biases zu mindern, hat diese folgende Strategien empfohlen:

 

Bewusstmachung

Judicial Biases laufen, wie alle kognitiven Verzerrungen, unbewusst ab.

Ein Beispiel: Robert Foster ist Richter im US-Bundestaat Florida. In Fällen von schweren Drogendelikten verurteilte er weiße Angeklagte zu durchschnittlich 224 Tagen Gefängnis und afroamerikanische Angeklagte zu 562 Tage. Auf diesen Umstand angesprochen, gab er an: „From my viewpoint, 29 years on the bench, I don’t care if a defendant is black or white or male or female. I am unaware if that enters my mind in any of my decisions.”

Die ABA empfiehlt daher sich zuerst mit dem Konzept der Unconscious Biases vertraut machen und den Implizit Association Test (IAT) durchzuführen. Der IAT misst die Geschwindigkeit, mit der Testteilnehmer Begriffe wie „gewalttätig“ oder „friedlich“ mit Fotos von Menschen verschiedener Hautfarbe zuordnen. Das Verfahren wir als Beleg für implizite Bewertungstendenzen betrachtet.

 

Individuation

Es sollten möglichst viele Informationen über die betreffende Person eingeholt werden. Dies schließt u.a. Dinge wie Hobbies, spezifische Vorlieben und Abneigungen ein. Dadurch werden nicht nur gruppenspezifische Verallgemeinerungen, sondern auch personenspezifische Faktoren in die Urteilsfindung eingeschlossen.

 

Perspektivenübernahme

Richter_innen wird empfohlen, sich in eine stereotypisierte Person hinein zu fühlen, um so die emotionalen Auswirkungen von Stereotypisierung nachzuempfinden. Diese Technik hilft, neue Sichtweisen und Bewertungen zu entfalten.

 

Gegenstereotype

Eine Möglichkeit Stereotype abzubauen, ist sich Gegenstereotype in ins Bewusstsein zu rufen. Gegenstereotype sind in der Regel (berühmte) Personen, die einen gängigen Stereotyp wiedersprechen widersprechen. Im Fall von Afroamerikanern wird hier Martin Luther King als Beispiel genannt oder ein erfolgreicher afroamerikanischer Richterkollege.

 

 

Afroamerikanische Richter und besonders Richterinnen beurteilen übrigens deutlich konstanter über ethnische Grenzen hinweg als weiße Richter_innen. Dennoch sind sie in Gerichtssälen meist unterrepräsentiert. In Florida, haben beispielsweise nur 28 von 900 Richter_innen, welche sich mit schweren Delikten auseinandersetzen, einen afroamerikaner_innen Hintergrund. Die Unterrepräsentation von Frauen und ethnischen Minderheiten im Rechtssystem wird auch als Gavel Gap bezeichnet.

In Florida gehört mittlerweile ein Diversity und Unconscious Bias Training zur richterlichen Ausbildung. Dennoch kommt es noch immer zu deutlichen Unterschieden in der Rechtsprechung zwischen Schwarz und Weiß.

In den letzten Jahren wurden zudem vermehrt quantitative Methoden und Algorithmen in den Gerichtsprozess integriert. Auf diese wird im dritten Teil der Serie über Judicial Bias näher eingegangen.

 

Weiterführendes

  • American Bar Association: ABA Diversity and Inclusion 360 Commission Implicit Bias Bibliography. https://www.americanbar.org/publications/youraba/2016/september-2016/strategies-on-implicit-bias-and-de-biasing-for-judges-and-lawyer.html
  • Herald Tribune: Florida’s broken sentencing system
    http://projects.heraldtribune.com/bias/sentencing/
  • Brennan Center for Justice: Judicial Diversity
    https://www.brennancenter.org/analysis/judicial-diversity-0

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