Atheisten überholen Christen in Punkto Fairness

Ab 1. Oktober gilt in Österreich das Anti-Verhüllungsgesetz. Welche Macht Vorurteile und Stereotypen gegenüber Menschengruppen anderer Religionszugehörigkeit haben, war auch Thema einer kürzlich in Amerika durchgeführten Studie. Das Ergebnis: Atheisten sind fairer als Christen. 

 

10 Gebote als Anleitung für richtiges Handeln und moralisches Tun. Sie gelten als Orientierung für Christen. Immer mehr Menschen allerdings treten aus der Kirche aus und leben als Atheisten. Die Gruppe konfessionsloser Menschen, so ergaben zahlreiche Studien aus Amerika, seien dabei öfter mit dem Vorurteil konfrontiert, unmoralisch und, im Vergleich zu Christen, weniger vertrauenswürdig zu sein.

Diese Stereotype waren Anlass für eine Studie von Forschern der Ohio Universität. Das Ergebnis, herausgegeben im Fachmagazin „Experimental Social Psychology“, macht allerdings klar: Atheisten sind Christen gegenüber netter, als umgekehrt.

 

Ein Spiel als Experiment

Zu dem Schluss kamen die ExpertInnen aufgrund eines Wirtschaftsspiels. 500 TeilnehmerInnen, ein Teil konfessionslos, ein anderer dem Christentum zugehörig, wurden in mehreren Runden dazu aufgefordert, virtuell Geld an Mitspieler zu verteilen. Ob es sich bei den Mitspielern um Atheisten oder Christen handelte, wurde den Spielern teils mitgeteilt, teils verschwiegen. Das Verhalten der beiden Gruppen unterschied sich jedoch massiv:  Teilnehmer, die dem Christentum angehörten, verhielten sich anderen Christen gegenüber fairer, als gegenüber den konfessionslosen Mitspielern. Die Christen in dem Experiment zeigten einen eindeutigen ingroup bias. Sobald Atheisten informiert wurden, welcher Religion der jeweilige Partner zugehörte, zeigten sie keinen ingroup bias gegenüber anderen Atheisten, sondern verhielten sich Christen (outgroup partners) gegenüber fairer.

 

Die Psychologie des Vorurteils

Grund dafür könnte sein, dass die Atheisten in der Studie versuchen, negative Vorurteile zu kompensieren. Schließlich würde ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung dazu tendieren, Atheisten als unmoralisch und wenig vertrauenswürdig einzustufen, sagt eine der HauptautorInnen der Studie, PhD Studentin Colleen Cowgill. Es schien ihnen wichtiger zu sein, negative Stereotypen zu kompensieren, als die Menschen der eigenen Gruppe zu favorisieren. Trotz Forschungen von PsychologInnen und DiversitätsexpertInnen, die schon lange beobachten, dass Menschen dazu tendieren, die eigene Gruppe gegenüber anderen Gruppen zu bevorzugen. Ein Widerspruch? Nicht unbedingt: Forscher beobachten immer wieder, dass Individuen, die auf negative Stereotypen stoßen, kein passives Verhalten zeigen, sondern dynamisch reagieren – also versuchen, Stereotype auszuhebeln.

 

Links:

 

Weiterführendes: 

  • Tajfel, H.; Billig, M. G.; Bundy, R. P.; Flament, C. (April-June 1971). „Social categorization and intergroup behaviour“. European Journal of Social Psychology. 149-178. 

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