Nudging – Definition

Menschen handeln oft irrational. Mit der Methode Nudging sollen Menschen auf sanfte Weise „geschubst“ werden, um ihr Verhalten zu ändern und um bessere Entscheidungen zu treffen. Hier finden Sie die Nudging-Definition.

 

Nudging – Definition

Der Begriff „Nudge“ (engl. für Schubs oder Stups) stammt aus der Verhaltensökonomik. Dieser Wissenschaftszweig untersucht Konstellationen, in denen Menschen im Widerspruch zum klassischen Modell des Homo oeconomicus, also des kalten, rationalen Nutzenmaximierers, agieren. Jede_r von uns kennt diese Situationen. Wir drücken uns oft vor unbequemen Entscheidungen, manche Menschen ernähren sich ungesund, wir lassen uns von anderen Personen beeinflussen und wir machen immer wieder vermeidbare Denkfehler.

Die Wissenschaftler Richard Thaler und Cass Sunstein verwendeten als Erste den Begriff in ihrem Buch „Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt“. Darin beschreiben sie Nudging als Methode zur Veränderung von Entscheidungsarchitekturen. Mit Hilfe von Vorschlägen, indirekten Hinweisen oder Änderungen von Umgebungsinformationen werden die Motive, Anreize und Entscheidungen von Personen beeinflusst. Menschen werden also mit einem Stubs in eine vorhersehbare Richtung gelenkt – und das ohne Bestrafung, Zwang oder Verbote.

 

Nudging Beispiele

Das Konzept des Nudgings wurde in vielfachen Bereichen erfolgreich angewendet, wie etwa den  öffentlichen Finanzen, Gesundheit, Energie, Marketing und zur Veränderung von Organisationskulturen.

Hier sind drei Beispiele:

  • Default-Optionen: Statt Arbeitnehmer_innen aufzufordern, an betrieblichen Pensionsplänen teilzunehmen (Opt-in-Klausel), wurde die Teilnahme am Programm als Regel definiert (Opt-out-Klausel). Dieser Nudge wurde in mehreren Unternehmen getestet. Das Ergebnis war, dass die überwiegende Mehrheit (78%) der Belegschaft am Programm teilnahmen (Thaler, Bernatzi, 2003).
  • Re-Framing: Unsere Essgewohnheiten sind nicht immer durch Verstand geprägt. Die Größe eines Tellers und die Reihenfolge der Speisen beeinflusst unser Essverhalten. Wenn Obst vor dem süßen Nachtisch platziert wird, so essen die Gäste mehr Obst. Wenn eine Portion statt auf großen Tellern, auf kleinen Teller angeboten wird, nimmt unser Unbewusstes diese als voller wahr (Wansink, Just, Payne, 2009).
  • Direction-Nudge: Die Fliege im Urinal ist das meistzitierte Beispiel für die Wirksamkeit des Nudgings. Seit die kleinen Fliegen im Jahr 1999 in die Pissoirs am Amsterdamer Flughafen Schiphol geklebt wurden, gingen 80 Prozent weniger Spritzer daneben. Die simple Maßnahme „erzieht“ Männer zu einem sauberen Verhalten.

 

Kritik und Charakteristika

Das Nudging hat auch Kritiker hervorgerufen, insbesondere wenn der Staat diese Methode im Sinne eines Liberalen Paternalismus zur Verhaltenslenkung der Bevölkerung nutzen möchte.  Die Vorwürfe reichen von der Bevormundung der Bürger_innen in privaten Angelegenheiten bis hin zur mutmaßlichen Ausübung von Zwang. Nudges sollten daher immer behutsam und transparent durchgeführt werden.

Charakteristika von Nudges:

  • Wahrung der Entscheidungsfreiheit
  • Transparenz
  • Verfolgung von ethisch korrekten Zielen
  • Verzicht auf finanzielle Anreize

 

Inclusion Nudges

Wie Nudging auch zur Förderung von Diversity & Inclusion sowie von Chancengleichheit genutzt werden kann, lesen Sie in Kürze in unserem Artikel zu Inclusion Nudges.

 

 

Weiterführendes:

  • Thaler R., Sunstein C. (2008): Improving decisions about health, wealth and happiness. Penguin Books.
  • Thaler, R. H.; Benartzi, S. (2004): Save more tomorrow™: Using behavioral economics to increase employee saving. Journal of political Economy, 112(S1). S164-S187.
  • Wansink, B.; Just, David; Payne, Collin (2009): Mindless Eating and Healty Heuristics for Irrational, American Economic Review: Papers& Proceedings 2009. 99:2. S165-169.