Kognitive Verzerrungen: Wie Sie Biases überlisten und bessere Entscheidungen treffen können.

Wir vertrauen zu oft auf unsere Intuition. Doch dieses Bauchgefühl kann durch kognitive Biases verzerrt sein und zu falschen Urteilen führen. Der Harvard Business Review legt den Schwerpunkt seiner Mai 2015 – Ausgabe auf Unconscious Biases und gibt Tipps, wie Sie bessere Entscheidungen treffen können.

 

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie beurteilen eine Kandidatin für die Position als Geschäftsführerin in einem neuen Office im Ausland. Die Person hat beste Qualifikationen, aber sie spüren, dass irgendetwas nicht passt. Dieses Bauchgefühl können Sie nicht weiter konkretisieren, es ist nur eine Ahnung. Wie würden Sie entscheiden?

 

Die meisten Manager vertrauen ihrem Bauchgefühl

„In der Regel vertraut man auf seine Intuition, die einem in der Vergangenheit immer gut geleitet hat“. Mit diesem Satz fassen die ProfessorInnen Soll, Milkman und Payne (2015) zusammen, wie die meisten Manager in ihren Trainingsgruppen bei diesem Szenario antworten. Ein Bauchgefühl ist das Ergebnis von automatischen Denkprozessen, die auf unseren Erfahrungen aufbauen. Die ExpertInnen definieren dies als System 1 – Denken, das ist das unbewusste Denken.

Doch ist unsere Intuition jetzt richtig oder falsch? Das können wir nicht wissen, solange es wir sie nicht auf die Probe gestellt haben. Die oben beschriebene Ahnung muss auch gar nichts mit der Kandidatin zu tun haben, sondern kann auf etwas Anderes hinweisen, was noch nicht artikuliert wurde.

Wie Sie Ihr Bauchgefühl testen können, beschreibt der Artikel „Outsmart Your Own Biases“ im US-Magazin Harvard Business Review (Ausgabe Mai 2015).

 

Tricks, um Ihre Entscheidungen bias-frei zu treffen

Um wichtige (Geschäfts-)Entscheidungen möglichst bias-frei zu treffen, ist es wichtig, unsere Entscheidungsgrundlagen auf mehreren Ebenen zu reflektieren und unter veränderten Perspektiven zu evaluieren.

Die AutorInnen Soll, Milkman und Payne (2015) nennen hierfür folgende Nudges. Nudge-Techniken (das englische Wort für „Stupse“) sind Methoden, mit denen man Verhaltensänderungen, Reflexionen und Entscheidungen anstößt:

1.) Die Zukunft überdenken: Die meisten Menschen treffen zu optimistische Prognosen.

  • Erstellen Sie drei unterschiedliche Szenarien einer zukünftigen Entwicklung: schlecht, mittel und sehr gut. Mit dieser Vorgangsweise reflektieren Sie Extremsituationen – und können entsprechende Vorkehrungen treffen.
  • Think twice: Überlegen Sie Entscheidung nochmals. Schlafen Sie darüber. Gehen Sie bei dieser Übung davon aus, dass Ihre erste Entscheidung falsch war.
  • Unabhängiger Blickwinkel: Fragen Sie jemanden, der nicht in das Projekt involviert ist, aber bereits Erfahrungen mit ähnlichen Situationen bzw. Problemstellungen gemacht hat, nach dessen Meinung.

 2.) Die Ziele überdenken: Erweitern Sie das Spektrum an Zielsetzungen und fokussieren Sie auf die Wichtigsten.

  • Rat einholen: Fragen Sie unabhängige KollegInnen, FreundInnen und Andere nach deren Ideen.
  • Einzelbetrachtung: Bewerten und analysieren Sie Zielsetzungen einzeln, also Schritt für Schritt, und nicht als Ganzes.

3.) Die Lösungen überdenken: Es reicht nicht, die Vor- und Nachteile einzelner Lösungsstrategien zu analysieren, wenn wir vielleicht die Besten noch gar nicht identifiziert haben.

  • Gemeinsame Evaluierung: Reflektieren Sie Lösungswege im Team. Unterschiedliche Personen haben meist unterschiedliche Perspektiven. Listen Sie alle Möglichkeiten auf und wählen Sie daraus die Besten.
  • Alternativen reflektieren: Sobald Menschen eine gute Lösung identifiziert haben, möchte Sie diese auch umsetzen. Dies kann blind für Alternativen machen. Reflektieren Sie im Prozess regelmäßig die Frage „Was könnte ich anstatt dessen machen?“

 

Emotionale Bezüge durch Notaustiegspunkte auflösen

Die oben beschriebenen Unconscious Biases gelten alle als motivierte Biases, wenn sie durch psychologische Bedürfnisse getrieben werden, wie z.B. durch starken emotionalen Bezug oder ein persönliches Interesse. In diesen Fällen ist es sinnvoll, im Voraus einen Notausstiegspunkt für Lösungsstrategien festzulegen. Dies kann z.B. ein Zeitpunkt der Reflexion, ein Zwischenziel, ein maximales Kostenlimit oder ähnliches sein.

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Online-Ausgabe des Harvard Business Review.

 

Weiterführendes:

  • Soll, J.B.; Milkman, K.L.; Payne, J.W. (2015): Outsmart Your Own Biases. In: Harvard Business Review, Vol. 93, Number 5, May 2015. Harvard Business School Publishing Corporation: Boston. 65-71.

 


 

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